Kurzmitteilung

Ich bin noch nicht alt, aber meine Narben sind zahlreich.

Körperliche als auch Seelische. Manchmal habe ich sie mir selbst zugefügt, meistens aber wurden sie mir zugefügt.

Man erwartet ständig dass ich funktioniere, und ich spiele es meistens gut. Auf allen vieren krieche ich meistens aus dem Bett, um einkaufen zu gehen. 

Auf allen vieren schleppe ich mich zum Amt um die Beihilfen zu verlängern.

Auf allen vieren schleppe ich mich mit Freunden in eine Bar um was zu trinken.

Manchmal krieche ich sogar auf allen vieren nur damit ich es ins Badezimmer schaffe.

Nächtelang kann ich oft nicht schlafen, weil ich vor dem nächsten Tag Angst habe.

Der Tag fängt immer gleich an, irgendwann wache ich auf, und fühle mich mies. Ich kann mich selbst nicht leiden. Kann in keinen Spiegel schauen. Fühle mich hässlich und abnormal. Und ich habe Angst, starke Angst.

Vor mir, vor anderen, und vor meinem Leben.

Ich nehm all meine Kraft zusammen, und öffne die Türe meiner Wohnung. Ich schließe sie ab, aber ich bin mir unsicher. Immer wieder kontrolliere ich die Türe ob sie auch wirklich zu ist.

Ich schäme mich, was ist wenn ein Nachbar das mitbekommt.

Wiederwillig schleppe ich mich wiedermal ins Amt. Ich ertrage die Blicke nicht. Die Ablehnung, die bösen Gedanken.

Dieser Faule Mensch, denken sich die anderen. Liegt dem Steuerzahler auf der Tasche. Zu Faul zum arbeiten.

Ich bin nervös, und kreidebleich. Ich habe Panik. 

Der Antrag ist schnell ausgefüllt. Das ist schön. 

Ich kann wieder nach Hause. Wo keiner mitbekommt wie es um mich steht.

Alles was ich immer höre ist. Das Leben ist schön, sei nicht immer so pessimistisch. Du nimmst dich viel zu wichtig.

Wenn sie wüssten…

Im Recall – ein toller Erfolg

Vor ungefähr einem Monat war es soweit: Das jährliche Theaterprojekt der KuB hatte Premiere! Mehr als 400 Zuschauer haben die 3 Aufführungen am 17., 18. und 19. Februar in der Matthäus Kirchengemeide in Steglitz besucht – ein Rekord. Insgesamt haben etwa 40 Jugendliche an dem Projekt teilgenommen. Das rein spendenfinanzierte Theater geht bald in die nächste Runde. Das nächste Mal ist Jubiläumsjahr, denn das Projekt wird dann zum 15. Mal für und mit Jugendlichen, die auf Berlins Straßen leben, umgesetzt und aufgeführt. Bis es soweit ist und für alle, die in diesem Jahr in dabei sein konnten: Vorhang auf für drei Augenblicke aus dem Blitzlichtgewitter.

Im Recall - auf der Bühne
Im Recall – auf der Bühne

Im Recall - die Darsteller in Aktion
Im Recall – die Darsteller in Aktion

Im Recall - Theater mit Musikvideo
Im Recall – Theater mit Musikvideo

Aus Theater wird Film

In diesem Jahr wird das Theaterstück auf Zelluloid gebannt. Naja, vielleicht nicht wirklich auf eine Filmrolle, weil heute alles digital aufgenommen wird. Aber Film ist Film. Und so haben alle, die sich “Im Recall” nicht auf der Bühne ansehen können, Gelegenheit, ein Stück vom Stück zu erleben. Aber nicht nur das Theater wird Film: Auch wird es eine “Film-im-Theater” Sequenz geben, was ja gut zum Thema passt, das sich rund um Medien, Stars und das Auftreten derselben im Fernsehen dreht. Dafür kommt sogar ein echter Filmregisseur und Kameramann vorbei. Wir freuen uns schon auf die bewegten Bilder – Ausschnitte gibt es selbstverständlich und exklusiv hier und auf unserer Facebook Fanpage zu sehen: Für die Darsteller eine Erinnerung, für die Zuschauer eine Zusammenfassung und für die Leidernichtkommenkönner ein Einblick. Und vielleicht sogar ein Ausblick auf die nächste Runde …

Herman, Du bist unser Star

Schlimmer als ein ungezogenes Kind ist ein bösartiger Erwachsener.*

Wie gut die jungen Darsteller geschäftstüchtige Erwachsene spielen können, zeigt sich schon bei den Proben. Die SehnSucht nach Ruhm und Anerkennung wird Szene für Szene von den Jugendlichen in Szene gesetzt – und immer mit einem Augenzwinkern. Es wird von Herman, dem Star erzählt, der das Blitzlichtgewitter liebt. Und von Sam, dem hoffnungsvollen Talent, die jedoch von großen Selbstzweifeln geplagt ist. Und der erste Blick hinter die Kulissen verrät: Neue Besen kehren gut.

— Szenenwechsel —

Die Proben zu “Im Recall” gehen in die letzten Wochen. Dialoge und Gesten für die Bühne sollen bald sitzen. Das ist nicht immer einfach. Aber leichter als das echte Leben ist es manchmal schon. Auch wenn den SchauspielerInnen manches mal die Aufmerksamkeit Flöten geht – die Mädchen und Jungen sind mit Herzblut dabei. Laut geht es im Proberaum zu. Da wird wild am Bühnenrand diskutiert, Worte fliegen zwischen den aktiven Darstellern und den “Zuschauern” hin und her. Mädchen, Jungen, Hunde und Margareta – es ist ein Wechselspiel zwischen Theaterstück und dem Drumherum. Für gewöhnliche Theaterproben mag das ungewöhnlich sein, aber hier ist es Teil der Geschichten und unverzichtbar. Tragödien und Komödien des Lebens sind stets Teil des Geschehens. Von Liebeskummer über Traumerzählungen bis zu Babyhunden – es ist lebendig hier und macht das Theaterstück schon jetzt zu etwas ganz Besonderem.

Nächste Woche gibt es mehr zu lesen an dieser Stelle. Mal sehen, was passiert :-).

*) André Comte-Sponville. Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben. Ein kleines Brevier der Tugenden & Werte.

Im Recall – Theaterprojekt der KuB 2011

… ist eigentlich 2011/2012. Die Proben laufen längst auf Hochtouren, die Spannung steigt, denn am 17. Februar ist es soweit: Premiere für das neue Stück in der Matthäus Kirchengemeinde. Bis dahin gibt es ab heute einiges zu lesen auf unserem Blog: Neben Live-Berichen von den Proben wird es ein Interview mit Margareta Riefenthaler geben und vor allem werden die Darsteller selbst zu Wort kommen. Wer das Ergebnis alles Strebens selbst erleben will: Termine im Kalender ankreuzen (17. + 18. + 19. Februar 2012 um 19:30 Uhr, Matthäus Kirchengemeinde, Schloßstraße 44, Berlin-Steglitz) oder auf Facebook als Event vormerken, Hingehen, Ansehen!

Ein Jahr geht zu Ende …

… Deutschland versinkt in Schnee & Eis und das nächste Theaterstück der KuB steht kurz vor der Premiere. Vom 7. bis 9. Januar um jeweils 20:00 Uhr wird “Woyzeck ist tot! Woyzeck lebt!” auf der Bühne der UdK Berlin, Fasanenstraße 1B in Berlin-Charlottenburg aufgeführt. Ihr könnt Euch gerne auch über unsere Facebook Site anmelden! Einfach HIER klicken und auf Veranstaltungen gehen.

Wir möchten uns in diesem Zug auch noch mal herzlich bei Christine Brügge für Ihre Beiträge zu den diesjährigen Theaterproben in Text und Bild bedanken – dank Ihrer detaillierten Beschreibungen können Interessierte nachlesen, wie das Theaterstück sich über Wochen hin entwickelt hat – das Gesamtresultat gibt’s dann wie bekannt im Januar live zu sehen.

Nun sollen wieder Eure Geschichten, Gedichte und Bilder hier ihren Platz finden. Ab sofort gehört dieser Blog wieder Euren Beiträgen. Schreibt uns, was Euch bewegt, wie es Euch geht, was Euch traurig, fröhlich oder Mut macht!

Du erreichst uns über E-Mail (info@kub-berlin.de) oder Facebook. Selbstverständlich ganz vertraulich und ohne Verpflichtungen – wir freuen uns auf Deine Nachricht!

Robert & Sabine