Fetzen und kurz vor bockig, aber

Update: Ich habe den ersten Absatz ergänzt und  die zweite Texthälfte umgeschrieben. Mit Begründung.

Letzter Mittwoch, nachgeholt:
Plakate bei KuB vorbeigebracht. Als ich den Raum betrete, merke ich schon: Das fühlt sich irgendwie anders an.

Nick fehlt. Definitiv. Dafür sind drei neue Mädchen da. Nichts ist gegen sie zu sagen – wie auch, ich kenne sie ja nicht – es ist nur – mir reicht’s.  Gerade hatte ich mich so schön eingekuschelt mit allem, mich daran gewöhnt, und jetzt ist schon wieder alles neu und anders. Was einigermaßen ironisch ist, da ich auf der einen Seite sage (Autorin imitiert tiefe Stimme): „Kinder, Kinder, der kreative Prozess ist nun mal unvorhersehbar“, aber auf der anderen Seite die Dinge selbst am liebsten konservieren möchte.

Hinzu kommt, dass mir die verschärften Bedingungen, unter denen die Proben stattfinden, verschärft auf den Geist gehen. Während die Einzelnen proben, ist um sie herum ein Geklapper und Gedaddel und Gerenne und Gerede, dass ich es an diesem Tag nicht ausblenden kann, immer wieder die Konzentration verliere.
Die Küche befindet sich im Probenraum und nach dem Speisen ist vor dem Abräumen und Abwaschen und Wegräumen und Sortieren und nochmal Räumen und erneut etwas abwaschen und dabei noch dies und jenes verstauen. Währenddessen wird an Handys rumgedaddelt und geschwatzt. Alle zwei Minuten, so fühlt es sich an, schnippen die Feuerzeuge, der Raum ist vollgequalmt.

Der Hund einer Teilnehmerin läuft überwiegend frei herum. Er ist süß und niedlich und wir lachen alle über ihn, weil er den Probenden permanent vor die Füße rennt, das hat was Lustiges, aber trotzdem nervt es eben auch. Ich fühle mich nicht bemächtigt und beaufgabt zu sagen „Bitte nimm deinen Hund an die Leine.“. Zumal ich mit der Teilnehmerin ein eher unglückliches Hallo hatte. Als ich den Raum betrat, mir als erstes auffiel, dass sie die Haare umgefärbt hat und sie fragte: „Hast du die Haare umgefärbt?“ Nicht nur wahrscheinlich sondern ziemlich sicher hätte ich stattdessen sagen sollen „Guten Tag, mein Name ist, ich bin hier die saisonale Buchstaben-Tante, dich habe ich schon mal am KuB-Bus gesehen, und hätte da eine Frage: Hast du dir die Haare umgefärbt?“ Da ich es nicht gesagt habe, schaut sie mich natürlich verständnislos an – wer ist denn die von der Seite ?!

Und weil alles so zerfleddert war,
kann ich nur zerfetzt wiedergeben, was geschah:

Martin ist zunächst antrieblos und müde. Als er x-mal proben muss, auf eine bestimmte Art den Raum zu durchqueren, wird er – wie gesagt – jedes Mal von dem Hund angegriffen, der ihn „stellen“ will. Ein, zwei Mal wird der Hund zurückgerufen, sogar kurz an die Leine genommen, aber ansonsten bekommt das Handy die Aufmerksamkeit.
Obwohl Martin am Anfang eher schlapp ist, zeigt er während seiner Einsätze deutlich, wie viel Potenzial in ihm steckt. Diesmal, finde ich, ist er nicht Patrick Swayze, sondern Jürgen Vogel.

Wir haben nun die vierte ‚Lisa‘. Gespielt von Ella. Wie sie es gemacht hat, kann ich nicht sagen, weil Töpfe klappern und Handytastaturen betippt werden und sich schon wieder einer eine Lulle ansteckt. Aber sie hat wohl Schwierigkeiten, einen Luftkuss zu spielen, denn Margareta läuft auf einmal wie ein Kranich durch den Raum, fasst sich an den… Oberkörper, und ruft: „Du bist eine Frrrrrau! Du willst ihn küssen! Strrrrreck dich ihm doch mal entgegen und mach Mmmmm!“

Smirki spielt eine drogenabhängige Schauspielerin. Erst ein wenig ratlos. Dann recht ausdrucksstark. Lacht benebelt, will die ganze Welt umarmen, lallt, kippt zu Boden. Sandy soll hinzu kommen und „Nicht schon wieder!“ sagen. Wird ebenfalls x-mal geprobt.

Was Anton an diesem Tag gemacht hat, steht nicht in meinen Notizen und ich kann mich an nichts erinnern, aber er war da.

Zwischendurch tauchen an der Eingangstür zwei Mal Menschen auf, die im Dunklen wie düstere Gestalten wirken, weswegen wir in Hab-Acht-Haltung die Tür öffnen. Einmal ist es ein junger Mann mit Kapuze über dem Kopf, der nur die veranschlagten Öffnungszeiten studieren will und später am Zaun lehnt. Und einmal ist es Ami, die Smirki abholen will.

Während all das geschieht, werde ich ob der Verwirrung zunehmend genervter und bin kurz vor bockig.

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Hier standen Zeilen, die ich rausgenommen habe, weil ich meine Sicht der Dinge geändert habe. Der Text endet also wie folgt:

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Weil ich ein paar Erwartungshaltungen habe, die ich legitim finde. Und ein paar hatte, die ich im Nachhinein idiotisch finde. Die Letzteren bitte in Gedanken streichen, falls man sie schon gelesen hat. Danke. Dass dieser Text so seltsam verwirrt ist, trägt nicht zuletzt der beschriebenen Probe Rechnung. Ebenfalls ironisch…

Christine Brügge

Bild: kira.belle
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