Catatonia I von Troll

Alltag pt.1

Morgens früh um 5, der Wecker piept
Die Augen kaum auf, unerträglich das Licht
und trotzdem geht es raus, Wasser ins Gesicht
Brot hinterhergedrückt und los, weil keine Zeit mehr blieb…
Der Ticketschalter piept
und die Bahn kommt erst in 5 Minuten
dann muss ich mich nachher sputen
also schon zur nächsten Station laufen, weil keine Zeit mehr blieb…

Grade noch die Bahn gekriegt
Reingequetscht wie zu Sardinen in die Dose
Das Kind mit dem Eis tropft es mir auf die Hose
Schnell mit ’nem Tempo weggewischt, weil keine Zeit mehr blieb…
Im Dienstzimmer hat’s schon längst zum Dienst gepiept
Außer Atem, verschwitzt und versifft komm ich an
unter Kopfschütteln erklärend, wie das ständig passieren kann
fällt mir nur ein, wofür eh keine Zeit mehr blieb…
Für gemütlich ausschlafen
und erstmal ’nen Kaffee trinken
vom Frühstückstisch den Nachbarn grüßen und den Kindern winken
und vorm Duschen noch’n Kippchen auf Balkonien drehn
Mit’m Fahrrad dann zur Arbeit fahrn
denn man hat noch unendlich viel Zeit
und auf zwei Rädern isset garnicht so weit
und man hat was für die Verdauung getan

Ich erspar mir den Stau unter dem Himmelblau
und auch die unterirdischen Bahnkonserven
können mich heute nicht nerven
nee, ich tret in die Pedale und heize wie ’ne Sau
Bin als erster im Büro und meinen Chef macht das froh
und bis alle andern eingetrudelt sind
hab ich schon wieder Kaffee drin
Ist das nicht schön? Nur leider isset nich so!

Alltag pt.2

Nur leider ist es nicht so, wie erhofft und erwartet
Aus den Träumen des kleinen Jungen ist nichts geworden
Erst versagt, dann verdrängt, Leben abgehängt und schließlich entartet
Heute verpennt, morgen noch ein Tag- besser gestern gestorben
Unverbrauchtes Potenzial zu unentdeckten Zielen
Ständig mit dieser Gewissheit leben und lachen
über den eigenen Ruin, wie den von so vielen
Aus wieviel Leben könnte man soviel machen?
Doch jeden Tag auf’s Neue geht es raus
Immer für den nächsten Schuss hier raus
und immer wieder zurück
und immer ein Stück weiter
Leider hat man den letzten Zug verpasst
und hängt nun hier im Nirgendwo
Zwischen Gestalten, die man liebt und hasst
denn wir sind alle gleich zwischen Strich und Bahnhofsklo
Gezeichnete Gesichter über scharfen Silhouetten
und Narben noch als Zeugen des Anfangs vom Ende
Ständig ohne den Willen, sich selbst zu retten
Abhängig von der Hand im Mund, fordernden Händen

Doch jeden Tag…

Leider lässt man nach und nach alles liegen
Alles und jeden, der mal von Bedeutung war
Irgendwann bleibt man selbst liegen
und fällt doch noch tiefer- es geht immer schlimmer, als vorher!
Einsamkeit als Ziel eines Lebensstils
Schon auf lange Sicht bemerkt
Jeden Tag verliert man mehr des Lebensgefühls
dass man hatte, wenn man mal breit war

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